Impressionen aus der Corona-Zeit in Florstadt
….CORONA… hat die Welt verändert, hat uns verändert, hat uns ausgebremst und schränkt uns ein. Ein kleines Teilchen, das dann doch so viel Macht über die Menschen erlangt hat. In allen Partnerstädten teilen wir das gleiche Schicksal, das erste Mal wieder seit vielen Jahrzehnten, viele von uns haben das gar nicht erlebt….Geteiltes Leid ist halbes Leid…. man rückt näher zusammen, emotional nur, weil physisch nicht erlaubt ist. Jeder macht auf seine ganz eigene Art irgendwie das Beste aus seiner ihm auferlegten Situation.
Die hin und wieder „verteufelten“ modernen Medien kommen uns hier zur Hilfe. Whatsapp, SMS, Skype, Videokonferenz… wir können uns sehen und hören über viele Kilometer hinweg. Wir entdecken Neigungen in uns, die entweder verschüttet waren, für die vorher keine Zeit war, oder wir probieren einfach Neues, gerade weil jetzt Zeit dafür übrig ist. Wir holen Versäumtes nach und haben jetzt Ruhe, die Dinge zu erledigen. Die Zeit, die jetzt plötzlich frei ist, weil kein Vereinsleben, keine Verpflichtungen und keine sozialen Kontakte mehr erlaubt sind, ist wirklich „Freizeit“. Am Anfang fremd, irgendwie eine Leere, die Abende ohne Termine, haben wir aber schnell gemerkt, dass es gut tut, sich zu entschleunigen.
Der Garten, der vorher eher Arbeit für uns war, den sehen wir heute ganz anders. Er ist zur Wohlfühloase geworden. Ohne Eintrittsticket für den Wellnessbereich zu lösen und ohne Menschen um uns herum, die wir nicht kennen.Wir sind phantasievoller und kreativer geworden, können plötzlich improvisieren, weil Dieses und Jenes auf dem Markt nicht zur Verfügung steht. Wir improvisieren Zuhause und gestalten unseren Büroalltag neu… Homeoffice im Wohnzimmer mit den Kindern. Ganz neue Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Büro und Kinder in einem Raum. Wir unterrichten unsere Kinder….. lange her der Dreisatz und Englischvokabeln, Prozentformeln und Erdkunde…. Wir entdecken ganz neue Seiten an unseren Lieben, eben weil wir viel intensiver Zeit miteinander verbringen / verbringen müssen.
Wir vermissen unsere Familie, besonders die Lebensfreude, die uns unsere Enkel ins Haus bringen, den persönlichen Austausch und das Berühren, das Gefühl von Nähe, Miteinander und Geselligkeit, den Austausch mit den Kollegen. Uns fehlt die soziale Komponente unseres Lebens. Wir sind sensibler geworden, schauen über den Zaun zum Nachbarn, bieten unsere Hilfe an und unterstützen diejenigen, die die schwächsten Glieder in unserer Gesellschaft sind. Wir pflegen also doch weiterhin unsere sozialen Kontakte, nur eben anders!
Aber… man muss von zwei Seiten in das Glas hineinschauen…..Jeder von uns hat auch unbehagliche Gefühle, Sorgen, unbeantwortete Fragen…Bleiben meine Lieben und ich gesund? Wie wird die Zeit nach Corona? Verliere ich meine Arbeitsstelle? Kann ich meine Arbeitnehmer bezahlen, oder muss ich sie entlassen? Wie komme ich aus der finanziellen Schieflage heraus? Kann ich das, was ich mir viele Jahre lang mühevoll aufgebaut habe, meine Existenz, hinüber retten in die Zeit danach? Was zähle ich, als kleiner Teil des großen Ganzen? Gewinnen nur die „global player“ oder habe ich auch eine Chance? Vorher unabhängig, jetzt bin ich abhängig von der Unterstützung des Staates. Angst, angsteinflößende Horrornachrichten, Panikmache, Unsicherheit…mit der Unwissenheit der Hörer spielend…. die Macht der Medien und die Macht der Tagesschlagzeilen. Wer über Wochen nur negative Schlagzeilen liest und hört, der verliert das positive Lebensgefühl und die Zuversicht. Wer Angst hat, denkt nicht mehr selbst, ist lenkbar… Respekt ja, aber Angst sollten/brauchen wir keine zu haben. Viele von uns fühlen sich sicher hier, nicht mit allem einverstanden, aber doch sicher.
Jede Situation stellt uns vor Herausforderungen, die es zu meistern gilt, die uns wachsen lässt.
Lasst uns den Blick für das Schöne, gerade im Frühling, erhalten und lasst uns das Leben nicht von den Panikmachern verderben…..
Text: S. ZettlFotos: privat